Depressive Schreibereien

Depressive Schreibereien

Es ist schon merkwürdig, aber ich kann nur schreiben, wenn ich depressiv bin. Das war schon immer so. Alles an Freude, die ich bereite, mit lustigen Texten und Liedern, entstammt depressiven Phasen. Manchmal mehr, manchmal weniger.

Heute ist es mehr. Ich kann noch so lange suchen, aber ich finde nicht den Ausgang, der mich befriedigen könnte. Wenn ich mich vor einen Zug werfe, hat die Depression gewonnen, und das will ich auch nicht.

Ich habe Therapien gemacht, war in einer Kur und schlucke Pillen. Nichts. Ich weiß nicht, warum ich das hier alles noch tue, tue es aber doch. Kein Ziel in Sicht, Hoffnung habe ich nur noch, damit es sich richtig lohnt es dahin gehen zu sehen.

Kein Geld und hoch verschuldet und keine Bank der Welt hilft. Wer gibt schon einem 58 jährigen, außereuropäischen Ausländer, der auch noch freiberuflich arbeitet, Kohle, obwohl ich in der Lage wäre bei einer Umschuldung, die meinem Gesamt- Kapital-Konzept entspräche, alles zu bezahlen – aber wie schon geschrieben, 58 Jahre, außereuropäischer Ausländer und freiberuflich. Da ich das aber alles selbst verschuldet habe, muss ich damit auch leben.*

Ein kleines Beispiel, wie Banken mit Bittstellern umgehen:

Ich habe Unmengen Anfragen und Anträge im Internet verschickt. Die meisten Banken bzw. Finanz-Unternehmen sagten gleich ab. Einige wollten mehr wissen (Einkommensteuer- Nachweise etc.), und dann sagten sie ab. Eine Bank schrieb, sinngemäß, jau, sieht gut aus. Ich solle doch mal in die Filiale kommen, mit noch mehr Nachweisen, und alles besprechen. Vertrag und so wurden gleich mitgeschickt. In freudiger Erwartung fahre ich Kilometer weit zu einem Gespräch, das auch noch sehr positiv läuft. Zum Abschied heißt es: Wenn das Geld nicht in einer Woche auf meinem Konto ist, soll ich mich melden. Ich fahre also viele Kilometer zurück, mit Hoffnung im Bauch. Viel Theater, Papier und freundlich Auskünfte, und doch schon am nächsten Tag kommt eine E-Mail : Nee, ist nichts. Viel  Verarsche für Peanuts.

Zum Glück bin ich auch noch versichert. Wenn alle Stricke reißen, bin ich tot ein ganzes Stück mehr wert als lebendig. Vielleicht schaffe ich es mehr Ruhe in mein Leben zu kriegen, wenn ich einfach einen Offenbarungs-Eid ablege oder Privat-Insolvenz anmelde. Aber so will ich auch nicht sein. Ich weiß, dass es anders gehen kann, und möchte nicht auf meine alten Tagen noch schmarotzen.

Weg vom Geld. Mein größtes Problem ist immer noch, dass ich das Leben nicht mehr durchblicke. Das Gefühl, keine Zeit für mich zu haben und von allen und allem bedrängt zu werden, kann ich nicht abschütteln. Ich möchte alles richtig machen, doch keine Zeit – es soll alles genau erarbeitet werden, aber keine Zeit – kommunizieren, doch keine Zeit – vielleicht ein Hobby, doch keine Zeit – lieben, doch keine Zeit.

Mein Schädel platzt manchmal vor Ideen. Wenn ich diesen nachgehen würde, würde etwas anderes, was man unter Umständen von mir erwartet, zu kurz kommen. Schon hätte ich ein schlechtes Gewissen und schwups – Depressionen. Es gibt Menschen, darunter auch Arbeitskollegen, die mir sagen – so viele Ideen kannst du gar nicht im Kopf haben. Du machst ja nichts. Du redest nur davon.

TROTZDEM – SCHEIßE.

Jeder Tag ist ein bisschen dunkler. Mir geht es immer nur ein bisschen besser, wenn ich all die Reaktionen meiner Umwelt ausblende. Eine Raupe zieht sich in einem Kokon zurück und kommt als Schmetterling hervor. Als was komme ich, wenn überhaupt, wieder hervor? Vielleicht bleibe ich drin und verstärke noch die Wände, die mich schützen.
Es gibt so viel Negatives in mir, dass es das Positive nicht schafft sich zu befreien. Was oder wer wird wohl gewinnen? Ich oder doch noch ich.
* Falls mich jemand ärgern will und ich länger leiden soll, oder falls mir jemand eine Freude machen will und finanzielle Hilfe anbietet in Form eines privaten Kredites, oder als Mäzen (s.o), schickt doch eine E-Mail, und ich sende mein Kontonummer. Eine krasse Anfrage, doch im Augenblick bin ich mir für nichts schade. 

Bochum,germany

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